Begegnungen im April Erster Monat voller Begegnung
Seit Anfang April arbeiten je zwei Kunstschaffende im temporären Atelier des Palast Hotels Wiesbaden zusammen. Die ersten fünf Künstler-Tandems von Touched by Art traten gemeinsam in den künstlerischen Austausch. Die Begegnungen sind geprägt von Neugier, gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, künstlerische Ausdrucksformen neu zu entdecken.
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Seit Anfang April arbeiten je zwei Kunstschaffende im temporären Atelier des Palast Hotels Wiesbaden zusammen. Die ersten fünf Künstler-Tandems von Touched by Art traten gemeinsam in den künstlerischen Austausch. Die Begegnungen sind geprägt von Neugier, gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, künstlerische Ausdrucksformen neu zu entdecken.
Die Kunstwerke, die in der Zeit entstanden sind, zeigen, wie vielfältig künstlerischer Austausch sein kann – von impulsiver Malerei über visuelle Klangräume bis hin zu neuen Formen der Wahrnehmung und Verständigung. In jedem Tandem arbeiten autodidaktisch und professionell Kunstschaffende zusammen.
Jenny Martin & Katrin Kampmann
Eines der Tandems besteht aus der Berliner Künstlerin Katrin Kampmann, die an der UdK in Berlin bei Prof. K.H. Hoedicke studierte und der Wiesbadenerin Jenny Martin. Martin war leidenschaftliche Motorradfahrerin, verunglückte aber und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, deren Folgen ihre kognitiven Fähigkeiten einschränken. Mit Kampmann brachte sie ihr Motorrad zurück auf die Leinwand – eine berührende Erinnerung und Verarbeitung der Autodidaktin. Kampmanns Arbeit ist geprägt von großer Offenheit und direkter Ausdruckskraft. „Wir begegnen uns auf Augenhöhe und ich habe sie an manchen Stellen getragen“, resümiert sie die bisherige Zusammenarbeit, in der unter anderem ein Werk entstanden ist, in dem sich der leichte und freie Stil Kampmanns mit der realistischen Darstellung von Martins Unfall-Kawasaki verbinden.

Jenny Martin (links) und Katrin Kampmann (rechts). Fotos: EVIM / Rui Camilo
Eco Sengezer & Susanne Zuehlke
Unter dem Leitgedanken von Freiheit und Individualität arbeiten die Karlsruher Künstlerin Susanne Zuehlke, die an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Prof. Harry Kögler studierte und bei ihm Meisterschülerin war, und Eco Sengezer aus Kiedrich zusammen. Zuehlkes Malerei bewegt sich hin zur kompletten Abstraktion. Das Malen ist für Sengezer zugleich Ausdruck und Struktur, auch im Kontext seiner persönlichen Erfahrungen mit psychischer Beeinträchtigung. Diese Offenheit prägt die Zusammenarbeit und macht den Prozess intensiv und unvorhersehbar. In Sequenzen gemeinsamer und getrennter Arbeitsphasen konnten sich die Kunstschaffenden gegenseitig Impulse geben und ein gemeinsames, kraftvolles Bild gestalten.

Eco Sengezer (links) und Susanne Zuehlke (rechts).
Oliver Schwarz & Marion Eichmann
Schon im Vorabgespräch waren sich die Berliner Künstlerin Marion Eichmann, die an der Kunsthochschule Berlin Weissensee studierte und durch ihre detailgetreuen dreidimensionalen Zeichnungen bekannt wurde, und Oliver Schwarz sympathisch und haben sich auf die Zusammenarbeit gefreut. Gemeinsam ist ihnen der Blick fürs Detail, den Eichmann in Wiesbaden mit einer faszinierenden Zeichnung der Fassade des Palast Hotels umsetzt. Dem Tandem wurde in der Zusammenarbeit deutlich, dass ihr gemeinsames Interesse darin liegt, Musik visuell und räumlich erfahrbar zu machen. Schwarz erlebt Klänge so visuell, dass er seine Malerei unter anderem dafür nutzt. In der gemeinsamen Arbeit gab es einen Schlüsselmoment: Durch das Fokussieren auf einzelne Strukturen kann der autodidaktische Künstler in seinem Umfeld wieder vieles besser sehen, wie beide erzählen. „Ich sehe jetzt wieder mehr als nur technische Details in meiner Umwelt und kann viel gelassener durch die Straßen gehen“, so Schwarz.

Oliver Schwarz (links) und Marion Eichmann (rechts).
Lina Schreiber & Miriam Vlaming
Manchmal fehlen die richtigen Worte – dann übernehmen Farben, Formen und Bilder die Kommunikation. Auf dieser Ebene entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit der Künstlerin Miriam Vlaming aus Berlin und der autistischen Autodidaktin Lina Schreiber. Miriam Vlaming gehört zu den Künstlerinnen der Neuen Leipziger Schule und war Meisterschülerin bei Prof. Arno Rink und assistierte Prof. Neo Rauch. Kunstwerke mit kartografischen Mustern und zeitlos wirkenden Inszenierungen von Lebensorten. So viel verraten die beiden vorab: In einem Bild, das ein Gebäude im Nerotal zeigt, versteckt sich ein Tier. In einem anderen finden sich Schriftzeichen einer geheimen Sprache, die Lina bereits als Kind entwickelt hat. In der gemeinsamen Arbeit haben sich die sehr unterschiedlichen Stile zu einer faszinierenden Bildsprache vereint.

Miriam Vlaming (links) und Lina Schreiber (rechts). Foto: Stephanie Prieß
Julia Collet & Helge Leiberg
Julia Collet aus Wiesbaden ist seit mehreren Jahren künstlerisch aktiv. Sie entwickelt ihre eigenen Bildideen und Objekte – oft frei, experimentell und ohne Vorgaben. Ihre Arbeiten entstehen aus dem Moment heraus und zeigen eine unmittelbare, persönliche Form des Ausdrucks. An ihrer Seite arbeitet der Berliner Künstler Helge Leiberg, der seit Jahrzehnten international ausstellt; er studierte an der HdK in Dresden. Leiberg ist bekannt für seine dynamischen, oft in Bewegung aufgelösten Figuren und seine interdisziplinäre Arbeitsweise zwischen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Musik und Performance. Seine Kunst geht eine dynamische Verbindung mit Collets aktueller Motivik ein – der Sense.

Helge Leiberg (links) und Julia Collet (rechts). Foto: EVIM / Rui Camilo
Fünf neue Tandems starten im Mai
Die Tandems zeigen eindrucksvoll, wie künstlerische Begegnung funktionieren kann: als offener Prozess, Dialog und gemeinsames Erkunden von Ausdrucksmöglichkeiten. Touched by Art schafft dafür den Raum und macht sichtbar, was entsteht, wenn Menschen sich auf kreative Weise begegnen. Im Mai ziehen fünf neue Tandems ins Atelier ein – und begeben sich auf die künstlerische, ausdrucksstarke Reise. Jeweils drei der entstandenen Werke werden Ende Juni versteigert, um die Erlöse weiteren inklusiven Projekten zugute kommen zu lassen, und werden in Ausstellungen in Wiesbaden zu sehen sein.